{"id":170,"date":"2024-07-15T07:10:10","date_gmt":"2024-07-15T05:10:10","guid":{"rendered":"https:\/\/christianermisch.com\/cms\/?p=170"},"modified":"2026-02-16T00:49:19","modified_gmt":"2026-02-15T23:49:19","slug":"kapitel-2-schrumpfende-traeume-und-wachsende-zweifel-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christianermisch.com\/cms\/de\/kapitel-2-schrumpfende-traeume-und-wachsende-zweifel-1\/","title":{"rendered":"Kapitel 2 &#8211; Schrumpfende Tr\u00e4ume und wachsende Zweifel (1)"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem ich einige psychologische Register gezogen habe, um dich f\u00fcr einen Moment in die Gef\u00fchlswelt der Vergangenheit eintauchen zu lassen, m\u00f6chte ich mit dir einen weiteren Sprung unternehmen. Dieses Mal in die nahe Zukunft, aus der Perspektive eines Kindes, das sich \u00fcberlegt, was es alles erleben wird, wenn es einmal gro\u00df ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer solchen Zukunft, gliche die Welt einem einzigen Abenteuerspielplatz, auf dem jedes Land der Erde erreichbar und jede Kultur erlebbar w\u00e4re. Kein Tiefseegraben w\u00e4re zu tief, kein Berg zu hoch und keine Burg zu weit, um nicht mit Freunden und Spielkameraden entdeckt, erkundet und erforscht zu werden. Hier w\u00fcrden mehr Menschen ihrer Berufung folgen, anstatt den Erwartungen anderer zu entsprechen. Der Besuch von Schulen w\u00e4re mit mehr Freude verbunden, gelernt w\u00fcrde ein Leben lang und Gef\u00fchle w\u00fcrden freier gelebt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zur Realit\u00e4t und den Tr\u00e4umen von Erwachsenen der Gegenwart \u2013 oder dem, was von ihnen \u00fcbrig ist: Mitglieder einer Community mit Zukunft sollten sich bewusst sein, dass der Zugang zu ihren fr\u00fcheren, kindlichen Impulsen nicht nur wichtig, sondern essenziell ist. Dies bedeutet nicht, ihr Hirn auszuschalten, um mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Naivit\u00e4t an den realen Herausforderungen der Gegenwart zu scheitern. Vielmehr bedeutet es, die Welt und ihre vermeintlichen Regeln kritisch zu hinterfragen und trotz des allgegenw\u00e4rtigen L\u00e4rms auf die innere Stimme zu h\u00f6ren. Es bedeutet auch, sich selbst zu kultivieren und sich mitsamt seinen Interessen im Licht der aktuellen Wissenschaft zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei beeinflusst nicht nur die aktuell wahrgenommene Stimmung die Menschen. Wir sind in die Kultur und Epoche eingebettet, in die wir hineingeboren wurden. Solltest du den Eindruck gewinnen, dass Menschen in der Vergangenheit teilweise barbarisch behandelt wurden, so \u00fcberlege f\u00fcr einen Moment, wie zuk\u00fcnftige Generationen \u00fcber unsere Zeit urteilen werden. Die Wahrheit ist: Vorgeburtliche Pr\u00e4gungen und Erlebnisse unserer fr\u00fchesten Vergangenheit hallen noch immer aktiv in uns nach und besitzen das Potenzial, uns unser ganzes Leben lang zu beeinflussen. Menschen durchlaufen in verschiedenen Lebensabschnitten Phasen erh\u00f6hter Pr\u00e4gungsempfindlichkeit: in der Pubert\u00e4t, wenn wir uns verlieben und in Krisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Empathie, Lernf\u00e4higkeit und Lerngeschwindigkeit sind in diesen Zeitr\u00e4umen beeindruckend hoch, jedoch, aller Neuroplastizit\u00e4t zum Trotz, nicht ann\u00e4hernd vergleichbar, mit dem Potenzial der ersten Phase erh\u00f6hter Pr\u00e4gungsempfindlichkeit. Diese beginnt bereits weit vor der Geburt und endet mit dem dritten Lebensjahr. Sie m\u00fcndet in einer zweij\u00e4hrigen Entwicklungsstufe, die Neurologen als &#8222;Use it or lose it&#8220; bezeichnen. In dieser Stufe wird das Hirn f\u00fcr die spezifischen Aufgaben unseres Umfeldes angepasst. Ungenutzte Neuronen, also ungenutzte Nervenzellen des Hirns, sterben ab. Synapsen sind Verbindungen zwischen Nervenzellen. Nicht in Anspruch genommene oder wenig frequentierte Synapsen werden schw\u00e4cher oder verschwinden ganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben es hier mit evolution\u00e4ren Mechanismen zu tun, die sich seit Beginn der Menschheit optimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings f\u00fchrt nicht jede neuronale Vernetzung zwingend zu Vorteilen. So kann das dauerhafte Fehlen einer Bezugsperson in der fr\u00fchen Kindheit zu einer lebensbedrohlichen Inkoh\u00e4renz im Gehirn f\u00fchren. Um dem entgegenzuwirken, wird Koh\u00e4renz durch das Wachstum von hemmenden Verbindungen von Nervenzellen \u00fcber dem eigentlichen Bindungszentrum des Gehirns hergestellt, welche lebenslang bestehen bleiben k\u00f6nnen. Das bedeutet nicht, dass Menschen mit dieser Art von neuronalen Ver\u00e4nderung ihr Leben lang bindungsunf\u00e4hig sind. Es hei\u00dft jedoch, dass sie sich intensiver bem\u00fchen m\u00fcssen, bindungsf\u00e4hig zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Umgebungen, in denen freies Gestalten und Autonomie unerw\u00fcnscht sind, verlieren Kinder die Lust an Kreativit\u00e4t und am Erkunden der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Erreichen des f\u00fcnften Lebensjahres endet die &#8222;Use-it-or-lose-it&#8220;-Phase. Aber das hei\u00dft nicht, dass alle m\u00f6glichen negativen Einfl\u00fcsse, die unser Leben beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten, nun der Vergangenheit angeh\u00f6rten. Kognitive Verzerrungen und mentale Abk\u00fcrzungen, auch Heuristiken genannt, sind Mechanismen, die uns dabei helfen, uns in der Welt zurechtzufinden. Doch je aktiver sie in unserem Denken sind, desto geringer ist unser Antrieb, die Welt um uns herum tats\u00e4chlich zu ver\u00e4ndern. Daher sind wir keineswegs immun gegen negative Einfl\u00fcsse, wie beispielsweise \u00fcbertriebenen Pessimismus. Solche Tendenzen k\u00f6nnen sich auch in der Art und Weise widerspiegeln, wie wir sp\u00e4ter Sprache verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage: &#8222;Was m\u00f6chtest du einmal werden?&#8220;, wird von Kindern in der Regel mit der Syntax &#8222;Ich werde\u2026&#8220; beantwortet. Wenn Erwachsene nicht mit &#8222;Ich wei\u00df es nicht&#8220; antworten, was tief blicken l\u00e4sst, wandelt sich mit zunehmendem Alter die Syntax oft von &#8222;Ich werde\u2026&#8220; zu &#8222;Ich w\u00fcrde gerne, aber ich kann nicht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend unsere Tr\u00e4ume schrumpfen, wachsen unsere Zweifel, sie zu erreichen. Und wenn wir als Kind in einem Umfeld aufwuchsen, das eher einen restringierten, eingeschr\u00e4nkten, statt einen elaborierten, ausf\u00fchrlichen Sprachcode verwendete, wird es uns als Erwachsene schwerer fallen, Schlussfolgerungen und Anweisungen zu begr\u00fcnden. \u2013 Es sei denn, wir haben aktiv an unserer sprachlichen und kognitiven Entwicklung gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprechen ist ein bewusster Prozess. Das Zentrum unserer Sprachverarbeitung liegt im Cortex, welches von den Bereichen des Hirns, die unsere Werte und Bewertungen enthalten, teilweise getrennt sind. Die Frage: &#8222;Wie geht es dir?&#8220; ist eine Aufforderung an unser Gegen\u00fcber, auf die unterbewusste Gef\u00fchlswelt zuzugreifen und diese mit ad\u00e4quater Wortwahl zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage nach dem Befinden kann nur als ernstgemeint verstanden werden, wenn sich der Befragte viel Zeit zum Reflektieren nimmt und der Fragende gen\u00fcgend Geduld aufbringt, auf eine Antwort zu warten. Das wiederum ist im Alltag kaum zu realisieren, und selbst falls es dazu k\u00e4me, k\u00f6nnten Antworten anders gemeint sein als sie verstanden werden. Die Aussage: &#8222;Ich bin aufgeregt&#8220;, k\u00f6nnte schlie\u00dflich alles M\u00f6gliche bedeuten, von der Vorfreude auf ein bevorstehendes Ereignis bis hin zu extremer Nervosit\u00e4t im aktuellen Moment. Ohne den biographischen Hintergrund zu kennen, wie sich das Vokabular einer Person gebildet hat, wird es schwer, sie zu verstehen. &#8211; Wenn also die Frage nach dem Befinden bestenfalls als gut gemeinte Floskel verstanden werden kann, warum sollte ich nicht gleich mit etwas Belanglosem antworten? Etwa mit Smalltalk \u00fcber das Wetter?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Nemesus. Und falls du das Gef\u00fchl hast, dass dieses Kapitel d\u00fcsterer wirkt, als der wolkenverhangene Himmel an einem verregneten Sommertag, wirst Du mit den n\u00e4chsten noch mehr Spass haben. Der Abschluss dieses Essays wird daf\u00fcr heller und heiterer sein. &#8211; Doch davon sind wir noch ein St\u00fcck weit entfernt. Es folgt die Zusammenfassung des zweiten Kapitels von Chat-GPT.<\/p>\n\n\n\n<p>Zitat:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kapitel 2 f\u00fchrt den Konsumenten in die Zukunft, aus der Perspektive eines Kindes, das \u00fcber seine Tr\u00e4ume und Hoffnungen nachdenkt. Es betont die Bedeutung des Zugangs zu kindlichen Impulsen und der F\u00e4higkeit, die Welt und ihre Regeln zu hinterfragen. Dabei wird das enorme Potential des menschlichen Gehirns in den ersten Lebensjahren hervorgehoben und erkl\u00e4rt, wie es durch die Umwelt und fr\u00fche Erfahrungen gepr\u00e4gt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird diskutiert, wie diese fr\u00fchen Pr\u00e4gungen und Erlebnisse uns beeinflussen und wie sie sich in unserer Sprache und unserem Verhalten widerspiegeln. Dar\u00fcber hinaus wird der Einfluss von kognitiven Verzerrungen und Heuristiken angedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel schlie\u00dft mit der Erkenntnis, dass die nur bedingt durchl\u00e4ssige Barriere zwischen unserem Wertesystem und unserer Sprache Teil der menschlichen Natur ist. Dies kann dazu f\u00fchren, dass wir nicht nur Schwierigkeiten haben, unsere Gef\u00fchle und Werte pr\u00e4zise auszudr\u00fccken, es kann uns sogar schwerfallen, selbst zu verstehen, was wir f\u00fchlen und warum wir f\u00fchlen, was wir f\u00fchlen.&#8220; Zitat-Ende<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich einige psychologische Register gezogen habe, um dich f\u00fcr einen Moment in die Gef\u00fchlswelt der Vergangenheit eintauchen zu lassen, m\u00f6chte ich mit dir einen weiteren Sprung unternehmen. Dieses Mal in die nahe Zukunft, aus der Perspektive eines Kindes, das sich \u00fcberlegt, was es alles erleben wird, wenn es einmal gro\u00df ist. 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